Das Meisterstück / The master piece

Die Anfertigung des Meisterstücks (Probstücks) stand am Ende einer langen Ausbildungszeit des in Zünften / Gilden organisierten mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Bildhauers, Malers usw. Denn der Künstler war vom Status her Handwerker: Das heißt, vom Eintritt in die Lehre über die mehrjährige Gesellen- und Wanderzeit, die anschließende Meisterprüfung, die Eheschließung bis hin zur Gründung und Führung einer eigenen Werkstatt wurde alles von der Zunft / Gilde zu regeln versucht. Das Forschungsprojekt wendet sich in vergleichender europäischer Perspektive den Meisterstücken zu – eine spätere Ausstellung wird mitgedacht – und fragt nach den unterschiedlichen Wissensformen der Künstler, die sich in >Räumen< wie Zünften / Gilden oder später in Akademien auf spezifische Weise organisierten. Das Projekt schließt nämlich die Fragestellung nach dem Transformationsprozess von den Zünften hin zu den frühneuzeitlichen Akademien mit ein, indem es ebenfalls die Aufnahmestücke der Akademien untersucht. Aus der wissenschaftsgeschichtlichen Perspektive wird die Titulierung von Kunstwerken als „Meisterstück“ beleuchtet (z.B. Albrecht Dürers sog. „Meisterstiche“), wobei hier die Kulturgeschichte die Folie bildet, findet sich der Begriff beispielsweise auch in der Literatur- oder Musikgeschichte. In unserer heutigen Alltagskultur ist der Begriff (bzw. Variationen davon) nach wie vor präsent, so dass die Begriffsgeschichte bis in die Gegenwart reicht.

Zum Meisterstück der Zünfte / Gilden bzw. zum Aufnahmestück für den Eintritt in eine frühneuzeitliche Kunstakademie fand bereits 2006 als Kooperationsprojekt mit dem Städel Museum eine internationale Tagung „Das Meisterstück. Zünfte, Gilden, Künstlerausbildung nördlich der Alpen vor 1800“ / „The Masterpiece. Guilds, Corporations, and Artistic Training in Northern Europe prior to 1800” in Frankfurt am Main statt.

In Kooperation zwischen Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke und dem Historischen Museum Frankfurt (hmf), vor allem mit Dr. Wolfgang Cilleßen (Kurator) und Dr. Jan Gerchow (Direktor), mündet das Projekt 2019 in eine Ausstellung mit Katalog: Gezeigt wird sie in dem Neubau von Lederer / Ragnarsdóttir / Oei (LRO, Stuttgart). Auf 1.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird das Thema aufgefächert, wobei ein Schwerpunkt die gemalten Meisterstücke bilden. Grundstock der Ausstellung sind die über 40 gemalten Meisterstücke in der Sammlung des Historischen Museums, die ursprünglich der Ausstattung des Rathauses dienten. Aufgezeigt werden soll insbesondere auch die Entwicklungslinie von den Regelungen der Zünfte / Gilden hin zu denen der frühneuzeitlichen Akademien des 17. / 18. Jahrhunderts. 

 

Up to 1800, at the end of the apprenticeship and journeyman periods governed by the guilds, the prospective visual artist (craftsman) had to show proof of his craftsmanship as a painter in the form of a “master piece”. Only after he had passed the master’s examination was the artist allowed to conduct his own painter’s workshop. Using the sources, the project will search out paintings in museums and collections which prospective painters submitted as their master pieces. The academies transformed the master piece demanded by the guild regulations into the piece to be submitted for acceptance into the academy.

This research and exhibition project is a synthesis project of the “Social History of the Artist Research Centre” (SHARC).