Das Projekt

Forschung, Tagung, Workshop, Publikation, Ausstellungen

Aufgrund eines unerwarteten Quellenfundes initiierte Prof. Dr. Holger Th. Gräf (Marburg) das Forschungsprojekt und gewann – zur Erweiterung zu einem Tagungs-, Buch- und Ausstellungsprojekt – Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke (Trier) hinzu. Da die aufgeworfenen Fragen zu Johann Philipp Thelott (1639–1671) viele Aspekte der Künstlersozialgeschichte berühren, wurde es als Kooperationsprojekt zwischen dem Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde (HLGL) und der Trierer Arbeitsstelle für Künstlersozialgeschichte (TAK) vereinbart. Weiterhin wurde eine Zusammenarbeit mit dem Langzeitprojekt (2017 bis 2029) „Kommentierte digitale Edition der Reise- und Sammlungsbeschreibungen Philipp Hainhofers (1578–1647)“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) realisiert, welche in eine gemeinsame Veranstaltung als III. Philipp-Hainhofer-Kolloquium in der Schwabenakademie Irsee sowie in einem Workshop in der Herzog August Bibliothek (HAB) mündet.

Ausgangspunkt für das Projekt war das Auffinden des fragmentarischen Geschäftsbuches des Kupferstechers Johann Philipp Thelott (Augsburg 19. Mai 1639 – 20. August 1671 Frankfurt am Main). Es stellt eine bisher unbekannte Quelle zur Frankfurter Kunst- und Verlagsgeschichte dar. Holger Th. Gräf hat dieses Arbeitsbuch nach seiner Transkription in mehrjähriger Arbeit kommentiert und davon ausgehend das komplette druckgraphische Werk von Thelott erschlossen. Er ist Hauptautor der Monographie, die in Buchform erscheinen wird und zu der weitere Autorinnen und Autoren in Beiträgen Teilaspekte vertiefen bzw. abrunden werden.

Johann Philipp Thelott gehörte bislang zu den Hunderten von Künstlern, die in der deutschen Barockzeit – dem ›toten Jahrhundert‹ der kunsthistorischen Forschung – tätig waren und von denen lediglich dürre biografische Daten und gelegentlich eine Handvoll Werke bekannt sind. Und dies lag bei Thelott nicht an den Wirren bzw. Folgen des Dreißigjährigen Krieges, denn der Künstler stammte aus einer vergleichsweise prominenten Augsburger Familie. Zu seiner Verwandtschaft gehörte immerhin der in Augsburg und an der Düsseldorfer Akademie tätige Maler und Kupferstecher Ernst Karl Gottlieb Thelott (1760–1834) als auch sein Neffe zweiten Grades, der in den Jahrzehnten um 1700 herausragende Augsburger Goldschmied und Kupferstecher Johann Andreas Thelott (1655–1734).

Johann Philipp Thelott verließ seine Heimatstadt 1664 und verbrachte seine wenigen verbleibenden Lebensjahre in Frankfurt. Die Mainmetropole war nach dem Dreißigjährigen Krieg rasch zur ersten deutschen Buchhandels- und Druckerstadt aufgestiegen. Dieser Aufschwung ist nur vor dem Hintergrund ihrer zentralen Rolle in den Netzwerken der Kupferstecher, der Gold- und Silberschmiede sowie der Drucker, Buchhändler und Verleger zu verstehen, die sich von Köln und Straßburg bis nach Nürnberg und selbstredend auch nach Augsburg erstreckten – und genau in diesen Netzwerken entfaltete Thelott seine kurze, aber äußerst fruchtbare Tätigkeit.

Publikation

Die vollständig von Holger Th. Gräf bearbeitete Monographie, welche mit Beiträgen weiterer Autorinnen und Autoren abgerundet und von Holger Th. Gräf und Andreas Tacke herausgegeben wird, soll alle Werke abbilden und in einem Katalogteil ausführlich würdigen.

Das Buch wird erstmals Leben und Werk von Johann Philipp Thelott umfänglich darstellen und übertrifft mit seiner angestrebten Vollständigkeit bisherige Publikationen zum Künstler. Reich illustriert soll das großformatig geplante Buch diesen Künstler in der Kunst- und Kulturwissenschaft verankern.

Aufhänger der Publikation ist das bislang unbekannte und nur fragmentarisch überlieferte Arbeitsbuch des aus Augsburg stammenden Kupferstechers. Sein daraus rekonstruierbares Werk und seine Auftraggeberschaft erlauben es, diese Netzwerke exemplarisch aufzuzeigen. Das Fragment des Thelott’schen Arbeitsbuches umfasst ein alphabetisches Register mit fast einhundert Namen von Buchhändlern, Druckern und Verlegern, aber auch von Gold- und Silberschmieden, Patriziern, Adligen und Kaufleuten, die meist mit „alhier“, also in der Reichsstadt Frankfurt ansässig, genannt werden. Neben ihnen werden aber auch „Kunden“ von Kopenhagen im Norden, Jena im Osten, Genf, Augsburg und München im Süden bis nach Straßburg im Westen genannt. Nach diesem Register folgen sechs Folioseiten tabellarischer Aufzeichnungen mit einzelnen „Kundenkonten“, die ursprünglich allerdings mehr als 40 Seiten umfassten. Notiert werden neben dem Datum der Auftragsvergabe und des erzielten Preises auch das Datum und die Art und Weise der Bezahlung.

Ausstellungen

Die Monographie soll verschiedenen Ausstellungsstationen als Katalog dienen. Da das Gesamtwerk von Johann Philipp Thelott umfangreich bearbeitet und kontextualisiert wird, kann jede Ausstellungsstation für sich ortsspezifische Teilaspekte herausgreifen und in Kabinettausstellungen eine Auswahl von Thelotts Druckgraphiken präsentieren bzw. diese mit anderen Barockkünstlern als thematische Erweiterung bzw. zum Vergleich kombinieren.

Derzeit laufen dazu Verhandlungen mit verschiedenen Museen und Sammlungen (Stand: Mai/2021); unser Interesse an weiteren Ausstellungskooperationen sei hiermit angezeigt:

Prof. Dr. Holger Th. Gräf

Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde

Wilhelm-Röpke-Str. 6 C

35039 Marburg

Telefon: 06421 / 28-24579

E-Mail: holger.graef@uni-marburg.de

 

Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke

Langflur 16

54296 Trier

Telefon: 0651 / 99 63 260

E-Mail: tacke.andreas@t-online.de

Ansicht von Frankfurt am Main, 1671; signiert unten links von Johann Heinrich Roos („J. HRoos In: Et Deliniavt“) und unten rechts von Johann Philipp Thelott („J. Phil: Thelott sculpsit.“)

 

Aus: Biblia, Das ist / Die gantze Heilige Schrifft Alten und Neuen Testaments / Deutsch / D. Martin Luthers. Mit den Summarien M. Viti Dieterichs / Sam[m]t der Biblischen Bücher und Capitel richtiger Eintheilung / und außgehenden Versiculn/ auch verbesserten Registern und Concordantzen nützlich zugerichtet / und mit dem Exemplar / so zuerst nach Lutheri sel. Tod/ im Jahr Christi 1546. in Wittenberg gedruckt. Wittenberg: Balthasar Christoph Wust, 1671. – © Privatbesitz