Call for Papers

7. Frühjahrsakademie des Kunsthistorischen Forums Irsee

Schwabenakademie Irsee, 12.–14. April 2019

Wir sind dann mal weg ...

Die Künstlerreise als Medium des Kulturtransfers

7th Spring Academy of the Irsee Art History Forum

Schwaben Academy at Irsee (Germany), 12 – 14 April 2019

We are off then ...

The Artist´s journey as medium of cultural transfer

Das Thema mutet allzu vertraut an. Doch es birgt noch immer ein erstaunliches Forschungspotenzial, besonders, wenn das Augenmerk auf den zeitlich begrenzten Orts- bzw. Landeswechsel gerichtet wird. Denn gerade die Rückkehr in die Heimat macht die Reise zum grundlegenden Konstituens des Kulturtransfers. Albrecht Dürers Italienfahrten etwa gehören als – kritisch zu hinterfragendes – „Erweckungserlebnis“ zum Kernbestand der kulturgeschichtlichen Großnarrationen Europas.

Der Begriff ›Reise‹ soll im Tagungskontext weit gefasst werden und neben der klassischen Ausprägung als Bildungsreise unter anderem die Wanderschaft des im Mittelalter und der Frühen Neuzeit zunftgebundenen Künstlers einschließen. Auch die Mobilität aufgrund beruflicher Notwendigkeiten beansprucht Aufmerksamkeit. Typische Berufsgruppen wie Architekten, Glasmaler oder Freskanten erhielten vielfach Aufträge, die sie in die Fremde führten. Die Anziehungskraft lukrativer Absatzmärkte veranlasste Künstler ebenfalls zu reisen. So veräußerte Dürer seine Arbeiten gewinnbringend in Venedig, Tizian ging aus demselben Grund nach Augsburg.

Untersucht werden künstlerische und kulturhistorische Austauschprozesse, künstlerische Selbst- und Fremdwahrnehmung, Formen der Identitätsbildung und biografische Aspekte. Geschlechtsdifferente Reisemodi, konfessionelle aber auch politische Parameter als Reisegründe gehören ebenso zum Fokus der Tagung wie die verschiedenartigen, temporären Treffpunkte von Künstlern in ganz Europa. Dabei soll unter anderem die Rolle von Wohnvierteln, Künstlerkneipen oder Künstlercafés reflektiert werden. Welche Vorbereitungen wurden in der Heimat getroffen, welche Reiseführer konsultiert, welche Routen gewählt? Welche individuellen Auswirkungen hatten Reisen auf Stil und Themen? Wie wurden Künstlerreisen in der Vitenliteratur eines Vasari, van Mander oder Sandrart dargestellt? Welche Reisestereotype bildeten sich heraus? Wirkte sich eine Reise gar kontraproduktiv auf Leben und Werk aus? Untersuchenswert ist, welche Rolle aufnehmende Institutionen wie Klöster oder Auslandsakademien spielten, aber ebenso die Frage, wie sich fürstliche Reisestipendien oder Aufträge, insbesondere jene zum höfischen Kunsterwerb, auswirkten. Reizvolle Sonderfälle bilden zum Beispiel Auftragsreisen zu Spionagezwecken, bei denen der Künstler Verteidigungsanlagen zeichnerisch festhalten oder technische Herstellungsprozesse aufklären sollte.

Zum Themenspektrum der Tagung gehören außerdem Fragen danach, wie zurückgekehrte Künstler ihre Reise dokumentiert bzw. visualisiert haben, was sich – wie etwa im Fall John Soanes – sogar auf die Ausstattung der Wohn- und Arbeitsräume bis hin zum Kleidungsstil auswirken konnte.

Die Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch; die Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten werden übernommen.

Abstracts für bislang unpublizierte Beiträge (max. 2.000 Anschläge) werden in deutscher oder englischer Sprache mit kurzem Lebenslauf und gegebenenfalls einer Auswahl einschlägiger Publikationen bis zum 16. September 2018 per Email gerichtet an: >irsee7@uni-trier.de<.

Das Kunsthistorische Forum Irsee ist eine Kooperation zwischen der Schwabenakademie Irsee (Dr. Markwart Herzog, Dr. Sylvia Heudecker) und den Universitäten Bonn (Prof. Dr. Birgit Ulrike Münch) und Trier (Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke). Sie wird im Jahr 2019 zusätzlich durch die Albrecht-Dürer-Haus-Stiftung e.V. in Nürnberg (Dr. Thomas Schauerte) getragen. Albrecht Dürers Italienreisen, noch immer ein vieldiskutiertes Thema der innerhalb der nordalpinen kunsthistorischen Forschung, wird eine eigene Sektion gewidmet sein.

 

Das 2012 gegründete Kunsthistorische Forum Irsee konzipiert seit 2013 jährlich eine Frühjahrsakademie. Die Reihe widmet sich dem Forschungsfeld ›Künstler und Gesellschaft‹. Das Kunsthistorische Forum Irsee bietet einen inner- wie interdisziplinären Forschungsrahmen. Es zielt darauf, genuin kunsthistorische Forschungsansätze mit sämtlichen Disziplinen, Methoden und Fragestellungen der (historischen) Kulturwissenschaften zu verbinden. Zu einem spezifischen Thema wird jährlich in einem Call for Papers um Beitragsvorschläge gebeten. Der wissenschaftliche Nachwuchs, das heißt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Promotionsphase und der Post-doc-Phase, soll dabei in hohem Maß einbezogen werden. Das Forum verfolgt zugleich das Ziel, Themen wissenschaftlich aufzubereiten, die aktuell in der Gesellschaft diskutiert werden, um innovative wissenschaftliche Ansätze in die Öffentlichkeit zu bringen.

Die Ergebnisse einer Frühjahrsakademie werden jährlich in einem Tagungsband beim Michael Imhof Verlag (Petersberg) veröffentlicht und auf der jeweils folgenden Frühjahrsakademie präsentiert. In Vorbereitung bzw. bisher erschienen sind:

  • Künstlerfeste. In Zünften, Akademien, Vereinen und informellen Kreisen (6. Kunsthistorisches Forum Irsee). Petersberg 2019 (im Druck).
     
  • BilderGewalt. Zerstörung – Zensur – Umkodierung – Neuschöpfung (5. Kunsthistorisches Forum Irsee). Petersberg 2018.
     
  • Künstlerinnen. Neue Perspektiven auf ein Forschungsfeld der Vormoderne (4. Kunsthistorisches Forum Irsee). Petersberg 2017.
     
  • Von kurzer Dauer? Fallbeispiele zu temporären Kunstzentren der Vormoderne (Kunsthistorisches Forum Irsee, Bd. 3). Petersberg 2016.
     
  • Die Klage des Künstlers. Krise und Umbruch von der Reformation bis um 1800 (Kunsthistorisches Forum Irsee, Bd. 2). Petersberg 2015.
     
  • Fälschung – Plagiat – Kopie. Künstlerische Praktiken der Vormoderne (Kunsthistorisches Forum Irsee, Bd. 1). Petersberg 2014.

Johann Adam Klein (1792–1875), „Visitenkarte“ während seines Wienaufenthaltes von 1816

7th Spring Academy of the Irsee Art History Forum

Schwaben Academy at Irsee (Germany), 12 – 14 April 2019

The conference languages are German and English; travel, accommodations and meals costs will be provided.

Abstracts for hitherto unpublished articles (a maximum of 2,000 characters) in German or English, including a brief CV and possibly a selection of relevant publications are to be tendered by email by 16 September 2018 to: >irsee7@uni-trier.de<.

The Irsee Art History Forum is a cooperation between the Schwaben Academy (Dr. Markwart Herzog, Dr. Sylvia Heudecker), the University of Bonn (Dr. Birgit Ulrike Münch, Professor) and the University of Trier (Dr. Dr. Andreas Tacke, Professor).

The Irsee Art History Forum founded in 2012 holds annual spring academies. These are devoted to research in the field ›artist and society‹. The Irsee Art History Forum offers an inner- as well as an interdisciplinary research framework. Its goal is to link genuine research approaches into art history with all disciplines, methods and questions concerning (historical) cultural studies. Suggestions for articles are requested annually in a call for papers on a specific topic. Young academics, that is, academics in the doctoral phase and post-doc phase, are to be included to a great degree. At the same time, the forum has as a goal developing scholarly topics which are currently being discussed in society and to convey innovative scholarly approaches to the public.

The results of the spring academies are to be published in respective conference proceedings by Michael Imhof Verlag (Petersberg) and presented at the next spring academy the following year.

Johann Adam Klein (1792–1875), „Der Landschaftsmahler auf der Reise“, 1814