Anja Ottilie Ilg M.A.

Führung des Lehrstuhl-Sekretariats von Prof. Dr. Dr. Tacke

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Doktorandin bei Prof. Dr. Dr. Tacke

Forschungsschwerpunkte

  • Wissenschaftsgeschichte der Cranach-Forschung
  • Rezeption Cranachs d. Ä. (Schwerpunkt 18. / 19. Jahrhundert)
  • Darstellung Cranachs d. Ä. in historischer Belletristik
  • Darstellung Cranachs d. Ä. als Bildfigur in Malerei und Graphik
  • Kunst und Konfessionalisierung

Dissertationsvorhaben (betreut durch Prof. Dr. Dr. Tacke)

 

Cranach der Ältere in Bildern, Literatur und Wissenschaft
(Arbeitstitel)

Die kunstwissenschaftliche Forschung zu Lucas Cranach d. Ä. war über einen langen Zeitraum hinweg von konfessionell befangenen Vorstellungen geprägt, die den Künstler und seine Werke innerhalb eines einseitigen Deutungsschemas – als enger Freund und Mitstreiter Luthers und Maler der Reformation – festschrieben. Das hartnäckige Festhalten an diesen Vorstellungen führte zu einer einseitigen Sichtweise und verzerrten Forschungsergebnissen vor allem in Bezug auf Kunstwerke mit religiöser Thematik, die Cranach d. Ä. und / oder seine Werkstatt nach dem – als Zäsur wahrgenommenen – Jahr 1517 für altgläubig gebliebene Auftraggeber – darunter so prominente Gegenspieler Luthers wie Kardinal Albrecht von Brandenburg oder Herzog Georg von Sachsen – fertigte.

In seiner 1992 publizierten kunsthistorischen Dissertation „Der katholische Cranach“ machte Andreas Tacke auf die Problematik der einseitigen Wahrnehmung Cranachs aufmerksam. Seither wurde das verzerrte Cranach-Bild – zumindest in der Forschung – weitgehend revidiert. Angesichts des 2017 anstehenden 500jährigen Reformationsjubiläums, das den finalen Akt der 2008 eröffneten Lutherdekade bilden wird, sind diesbezüglich jedoch Rückfälle zu befürchten. Ziel der geplanten Dissertation und gleichzeitig ein Forschungsdesiderat ist es daher, die eingefahrenen Denkmuster in Bezug auf Cranach d. Ä. deutlich ins Bewusstsein zu heben und die konfessionell befangene Sichtweise auf ihn sowie seine Instrumentalisierung für politische Zwecke – auch von einer wissenschaftsgeschichtlichen Warte aus – gründlich aufzuarbeiten.

Der Untersuchungszeitraum umfasst die Zeit vom 16. bis ins 21. Jahrhundert, ein Schwerpunkt wird dabei jedoch auf dem 18. und 19. Jahrhundert liegen, da sich innerhalb dieses Zeitrahmens die konfessionelle Vereinnahmung Cranachs deutlich herauszukristallisieren beginnt. Diese spiegelt sich nicht nur in der Forschungsliteratur dieser Zeit, sondern auch in zahlreichen populärwissenschaftlichen Texten. Außerdem entstehen kurz vor oder um 1700 zyklische Bilderfolgen, die Ereignisse aus dem Leben Luthers zum Thema haben. Ab dem 19. Jahrhundert werden diese graphischen Bildfolgen zu Luthers Leben immer populärer. Vor allem im 19. Jahrhundert werden neben den graphischen Arbeiten aber auch Ölgemälde geschaffen, die Einzelszenen aus Luthers Leben zeigen. Auf einer ganzen Reihe dieser Kunstwerke, sowohl den graphischen Arbeiten als auch den Gemälden, begegnet dem Betrachter auch Cranach d. Ä., wenn auch meist nur in einer Nebenrolle. Daneben gibt es auch Gemälde und Graphiken, die Cranach den Älteren zusammen mit Johann Friedrich I. dem Großmütigen zeigen oder mit Kaiser Karl V. Darüber hinaus erscheint Cranach d. Ä. seit dem 19. Jahrhundert mehrfach als literarische Figur, z. B. in Gedichten und Theaterstücken, aber auch in der Gattung der Historischen Romane.

Somit bieten sich im Wesentlichen zwei Bereiche an – Leben und Werk –, in denen sich das konfessionell befangene Cranach-Bild innerhalb dieses vielschichtigen Quellenmaterials fassen lässt. Die Heterogenität des Materials macht jedoch jeweils eine Modifikation der methodischen Herangehensweise erforderlich. Als Beispiel sei hier auf die Vorgehensweise bei meiner Magisterarbeit (s.u.) verwiesen, deren Erkenntnisse in die Dissertation einfließen werden. Die aus den verschiedenen Quellengattungen zu erarbeitenden konfessionellen >Entwürfe< der Figur Cranachs sollen außerdem dahingehend geprüft werden, inwieweit sich die dadurch abgedeckten Bereiche Wissenschaft, Populärwissenschaft, Kunst und Literatur gegenseitig beeinflusst haben könnten.

Ein weiterer Aspekt, der in der Dissertation Berücksichtigung finden soll, ist die nationale Vereinnahmung Cranachs d. Ä., insbesondere nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches. Die Realisation dieses ersten deutschen Nationalstaates auf kleindeutscher Grundlage und unter preußischer (und damit protestantischer) Herrschaft wurde aus der Geschichte heraus >erklärt< und legitimiert. Am Anfang dieser (preußisch-) nationalen Geschichtsentwürfe steht im Wesentlichen die Reformation, die als eigentlich begründende Tat für die nun vollzogene Bildung der deutschen Nation gelesen wurde. An derartigen Legitimations- und Identitätskonstruktionen beteiligte sich neben der Geschichtswissenschaft und anderen geisteswissenschaftlichen Fächern auch die Kunstwissenschaft. Das Erkenntnisinteresse kunsthistorischer Forschung richtete sich – dies soll am Beispiel Cranachs belegt werden – deutlich auf die Affirmation der nationalen Ideologie, die sich vereinfachend in der Formel deutsch / national = protestantisch fassen lässt. Da die ideologische Indienstnahme Cranachs auf der Basis scheinbar objektiver Belege erfolgte, ist es umso wichtiger, die einzelnen Fäden des Argumentationsstranges der kunsthistorischen Beweisführung zu entwirren und zu ihren Ursprüngen zurückzuverfolgen, sie also kritisch zu hinterfragen.

Magisterarbeit

„Freund Luthers – Lucas Cranach der Ältere als 
Gegenstand der frühen Forschungsliteratur und Grauen Literatur“
(November 2012)

Im Fokus der von Prof. Dr. Dr. Tacke betreuten Magisterarbeit steht ein Aspekt der Persönlichkeit Cranachs d. Ä., der eines der Hauptargumente für die konfessionelle Vereinnahmung des Künstlers lieferte: seine Stellung als Freund Luthers.

In der frühen Forschungsliteratur zu Cranach – und in deren Gefolge auch in populärwissenschaftlichen Texten und der Grauen Literatur dieser Zeit – wurde immer wieder betont, wie nahe sich die beiden Männer gestanden hätten, wie innig sie einander verbunden seien; gezeichnet wurde ein Idealbild wahrer >Herzensfreundschaft< zwischen Maler und Reformator. Vermeintlich objektive Belege für dieses (re-)konstruierte Bild lieferten Quellen des 16. und 17. Jahrhunderts, die von verschiedenen Situationen und Begebenheiten berichten, in denen sich die Freundschaft zu artikulierten schien. In biographischen Darstellungen von Cranachs Leben erscheinen sie aneinandergereiht – meist in Form von Zitaten oder Paraphrasen und vom jeweiligen Autor entsprechend kommentiert – als Folge von Einzelszenen, die das Verhältnis Cranachs zu Luther charakterisieren und die Geschichte dieser Freundschaft erzählen, aber auch ein weiteres Kennzeichen dieser Beziehung veranschaulichen: ihr >unverbrüchliches< Bestehen über viele Jahre hinweg.

Wenn auch in frühen Künstlerbiographien die Bereiche Leben und Werk noch getrennt behandelt wurden, so bestand dennoch die Auffassung, dass es Analogien zwischen beiden Bereichen gab, die Werke also ein Spiegel der Biographie der Künstler sind bzw. biographische Begebenheiten Erklärungen für einzelne Kunstwerke liefern. Dementsprechend ging man auch bei Cranach d. Ä. davon aus, dass sich seine >innere< Verbundenheit zu Luther in seinem Œuvre widerspiegeln müsse. Argumente für diese Art der rückprojizierenden Beweisführung lieferten beispielsweise die zahlreichen Cranach’schen Porträtdarstellungen Luthers sowie Arbeiten, die Luthers Lehren bzw. seine Kritik an den Missständen der römisch-katholischen Kirche verbildlichen. Der Nachweis der Freundschaft erfolgte dabei häufig über den Umweg von Cranachs persönlichem religiösem Bekenntnis, d. h. die freundschaftlichen Gefühle Cranachs zu Luther wurden in der Wahrnehmung des 18. / 19. Jahrhunderts mehr und mehr mit seinem persönlichen Glaubensbekenntnis in eins gesetzt. Diese Überlappung hat den Effekt, dass Werte, die im Allgemeinen sowohl mit dem Glauben als auch der Freundschaft assoziiert werden, sich gleichsam verdoppeln, da z. B. die Treue oder die Loyalität Cranachs sich nicht nur auf den Freund richten, sondern sich auch in der übergeordneten Ebene des Glaubens widerspiegeln.

Die Magisterarbeit untersucht in Fallbeispielen sowohl die Art und Weise, wie die Textquellen des 16. / 17. Jahrhunderts interpretiert wurden, um das Bild der Herzensfreundschaft zu etablieren als auch die Forschungsgeschichte dreier >Bildquellen<, die nach damaliger Auffassung Cranachs Haltung gegenüber der protestantischen Lehre deutlich werden ließen.

Um an der Schnittstelle zwischen den Quellen des 16. / 17. Jahrhunderts und ihrer Rezeption durch die Cranach-Forschung des 18. und 19. Jahrhunderts etwaige Veränderungen aufzeigen zu können, werden zunächst die Überlieferungen selbst quellenkritisch befragt. In einem zweiten Schritt wird analysiert, wie diese Quellen dann im 18. und 19. Jahrhundert argumentativ in den Kontext der Freundschaft eingebunden werden. Hier wird versucht, allgemeine Tendenzen und Auffälligkeiten herauszuarbeiten, die im Umgang mit den Überlieferungen zu beobachten waren und die im Zusammenhang mit einer konfessionellen Vereinnahmung Cranachs d. Ä. stehen.

Im zweiten Teil wird die Forschungsgeschichte dreier Kunstwerke untersucht, die – zumindest zeitweise – in der Sichtweise der Autoren der Cranach-Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts drei markante Punkte in Cranachs Leben abbilden: die Zeit unmittelbar vor seinem >reformatorischen Wandel< und den Anfang und das Ende seines Lebens als >evangelischer Christ< bzw. treuer Anhänger der Lehren Luthers.

Publikationen

 

Aufsätze

  • Verdachtsmomente. Indizien für ein befangenes Cranach-Bild bei der kunstwissen-schaftlichen Beurteilung des Zwickauer Kunigundenretabels im 19. Jahrhundert – ein Problemaufriss, in: Cranach in Zwickau: Das Retabel in der St. Katharinenkirche. Einführung – Aufsätze – Quellen – Fotodokumentation – Konservierung. Hrsg. von Thomas Pöpper. Regensburg: Schnell & Steiner, 2017, S. 207–216.
     
  • Zur Vorstellung Lucas Cranachs des Älteren als Lutheri Herzensfreund, in: Martin Luther: Monument, Ketzer, Mensch. Lutherbilder, Lutherprojektionen und ein ökumenischer Luther. Hrsg. von Andreas Holzem und Volker Leppin, unter Mitwirkung von Claus Arnold und Norbert Haag. Freiburg/Basel/Wien: Herder, 2017, S. 161–198.

 

Rezensionen / Tagungsberichte

  • Lucas Cranach d. J. – aus dem Schatten des Vaters ins Licht der Forschung; [Tagungsbericht:] Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder. Internationales Symposium, veranstaltet von der Stiftung Luther-Gedenkstätten in Sachsen-Anhalt und der Freien Universität Berlin in der Lutherstadt Wittenberg (Stiftung Leucorea), 20.–22.03.2014, in: Kunstchronik 67 (2014), Heft 9/10 (September/Oktober 2014), S. 504–510.
     

Katalogartikel / Lemmata

  • 4 Katalognummern: Kat. Nr. 19 (Hans Baldung, gen. Grien: Christus an der Martersäule, 1517), Kat. Nr. 22a (Cranach-Werkstatt: Kreuzannagelung, nach 1553), Kat. Nr. 25 (Hans Baldung, gen. Grien: Beweinung Christi, um 1515/17) und Kat. Nr. 29 (Lucas Cranach d. Ä.: Schmerzensmann, nach 1537), in: Cranach in Anhalt. Vom alten zum neuen Glauben (Kataloge der Anhaltischen Gemäldegalerie Dessau, 19), hrsg. von Norbert Michels (Ausstellungskatalog Dessau-Roßlau, Johannbau und Marienkirche, 26. Juni bis 1. November 2015; Korrespondenzstandort der Landesausstellung Sachsen-Anhalt 2015 – Cranach der Jüngere). Petersberg: Imhof, 2015, S. 156f., 162–164, 167–169, 174–176.
     

Populärwissenschaftliches

  • Schwarz /Weiß-Malerei, in: Sonntagsblatt Thema: Das Magazin für engagierte Christen / Themenheft: Die Cranachs – Malerwerkstatt der Reformation (Nr. 6/2014), S. 22–25.
     
  • Zus. mit Sarah Wilhelm: Palmsonntag in Trier, in: Heinz, Stefan/ Tacke, Andreas/ Weiner, Andreas (Hrsg.): Trier 1512 – Heiliger Rock 2012. Reisewege durch das historische Trier. Petersberg: Imhof, 2011, S. 54–55.

Vorträge

  • 8. September 2016: „Konfessionalisierende Cranach-Imaginationen: Cranach der Ältere als diskursive Künstlerfigur“ (Sektion: Wissenschaftsgeschichte; Konfessionelle Bildung); Veranstaltung:  Internationale Tagung des Forums Kunst der Neuzeit des Deutschen Vereins für Kunstwissenschaft e.V.: „Die Kunst der ›langen‹ Konfessionalisierung (1517–2017)“, Augsburg, 7.–10. September 2016.
     

  • 10. Juni 2016: „‚Fälschung‘ durch Ausgrenzung: Ein wissenschaftsgeschichtlicher Blick auf den Zwickauer Cranach-Altar“ als Beitrag zum „2. Heidelberger cranach.talk“, Universitätsbibliothek Heidelberg, 9.–10. Juni 2016.
     

  • 16. Oktober 2015: „Verdachtsmomente. Indizien für ein befangenes Cranach-Bild bei der kunstwissenschaftlichen Beurteilung des Zwickauer Kunigundenretabels im 19. Jahrhundert - ein Problemaufriss" als Beitrag zur Tagung „Das Cranach'sche Kunigundenretabel in der St. Katharinenkirche, Zwickau“. Zwickau, St. Katharina und Pfarramt der ev.-lutherischen St. Katharinen-Kirchgemeinde, 16. Oktober 2015.
     

  • 23. September 2014: „Cranach der Ältere in Bildern, Literatur und Wissenschaft. Ein Abriss zu einem Dissertationsprojekt“ im Rahmen des „1. Heidelberger cranach.talk – Cranach 2.0“. Heidelberg (Handschriftenlesesaal der Universitätsbibliothek), 22.–23. September 2014.
     
  • 19. September 2014: „Lutheri Herzensfreund. Zur Vorstellung Lucas Cranachs d. Ä. als enger Freund Luthers in Wissenschaft, Literatur und Kunst“ im Rahmen der Tagung „Lutherbilder – Lutherbildprojektionen und ein ökumenischer Luther. Katholische und evangelische Entwürfe Martin Luthers in Früher Neuzeit und Moderne“. Wissenschaftliche Studientagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart und dem Verein für Württembergische Kirchengeschichte. Weingarten (Oberschwaben), 18.–20. September 2014.