Barbara Katja Kemmer M.A.

 

 

Von 09/2011-06/2013 Mitarbeiterin im DFG-Projekt Zunftordnungen.
Doktorandin bei Prof. Dr. Dr. Tacke

 

E-Mail: Barbara.Kemmer@stadt.koblenz.de

Interessensschwerpunkte

  • Malerei, Druckgraphik und Zeichnung des 15. bis 17. Jahrhunderts (Fokus: Deutschland, Belgien, Niederlande)
  • Europa um 1900: Kunst und Kultur des Fin de Siècle
  • Geschichte und Techniken der Druck- und Reproduktionsgraphik
  • Nacktheit, Geschlecht und Sexualität in der europäischen Kunst
  • Visualisierung künstlerischer Ausbildung und Tätigkeit in der Frühen Neuzeit
  • Populärkultur

Biographisches

Jahrgang 1978. Studium der Kunstgeschichte, Soziologie und Ethnologie (vormals der Pädagogik) an der Universität Trier. Daneben Tätigkeit als studentische Hilfskraft im Sonderforschungsbereich „Fremdheit und Armut. Wandel von Inklusions- und Exklusionsformen von der Antike bis zur Gegenwart“, genauer im Teilprojekt „Ordnungen der Bilder. Repräsentation von Fremdheit und Armut in Kunst und visueller Kultur in Italien (13.-16. Jahrhundert)“ unter der Leitung von Prof. Dr. Gerhard Wolf, überdies in der Graphischen Sammlung des kunstgeschichtlichen Instituts an der Universität Trier unter der Leitung von Dr. Stephan Brakensiek. In letztgenanntem Kontext langjährige Mitarbeit an Konzeption und Realisation von Ausstellungsprojekten zur Reproduktionsgraphik.

 

Magistra Artium im Juni 2011 mit einer Arbeit zur Verbildlichung von Sexualität in der Kunst der Frühen Neuzeit mit dem Titel: „Die Wollust des Satyrs als Projektion unterdrückter Sexualität? Eine Studie zur Darstellung von Lust und Leidenschaft in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts“ (Erstgutachter: Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke).

 

Von September 2011 bis Juni 2013 wissenschaftliche Hilfskraft mit Abschluss im DFG-Forschungsprojekt „Edition der Zunftordnungen für Maler bis um 1800: Quellen zur Künstlersozialgeschichte aus den Archiven der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz“ unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke. Parallel hierzu seit Sommer 2012 Promotionsvorhaben im Bereich der frühneuzeitlichen Künstlersozialgeschichte mit dem Fokus auf diskursgeschichtlich relevanten Positionen zur Künstlerausbildung in zeitgenössischen Bild- und Schriftquellen mit dem Arbeitstitel: „Das Studium des Künstlers im Bild des 16. und 17. Jahrhunderts. Diskursgeschichtliche Aspekte zur Künstlerausbildung im nordalpinen Raum unter besonderer Berücksichtigung der Niederlande“, betreut von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke.

 

Seit Mai 2014 wissenschaftliche Volontärin im Mittelrhein-Museum Koblenz.

 

Dissertationsvorhaben (betreut durch Prof. Dr. Dr. Tacke)

„Der studierende Künstler im Bild des 16. und 17. Jahrhunderts.

Diskursgeschichtliche Aspekte zur Künstlerausbildung im nordalpinen Raum unter besonderer Berücksichtigung der Niederlande“

 (Arbeitstitel)

Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit der Visualisierung künstlerischer Ausbildung in nordalpinen Bildfindungen der Frühen Neuzeit. Durch die detaillierte Analyse ausgewählter Bilder und Schriften (u.a. Kunsttraktate und Lehrbücher), welche die Unterweisung und das Studium des künstlerischen Nachwuchses thematisieren, sollen grundlegende Einsichten bezüglich des zeitgenössisch geführten Diskurses, der über die Grundlagen von Kunst, den Beruf des Künstlers und die künstlerische Ausbildung reflektiert, gewonnen werden.

Der überlieferte Bildbestand lässt vermuten, dass das ‚akademisch‘ orientierte Studium und der Prozess des Lernens im 16. und verstärkt im Laufe des 17. Jahrhunderts zu einem bildwürdigen Gegenstand avancieren. Die Suche nach etwaigen Ursachen einer solchen Wertschätzung wird im Laufe der Arbeit eine entscheidende Rolle spielen. Zudem ist die Frage nach den spezifischen Definitionen der künstlerischen Ausbildung und Tätigkeit, die in den Darstellungen zutage treten, von betonter Wichtigkeit. Die mittels der Bilder diesbezüglich propagierten Auffassungen sollen dabei insbesondere auf ihren ideellen Gehalt hin analysiert werden.

Die in den Werken wohl partiell aufscheinende Kritik am traditionellen Ausbildungssystem, das weitestgehend durch die Zünfte beziehungsweise Gilden geregelt war, stellt uns vor die Frage, inwiefern einzelne Künstler von der Absicht getragen waren, bestimmte Veränderungen an dieser Form der Lehre herbeizuführen. Können gewisse Bilder in diesem Sinne als programmatische Entwürfe einer als ideal gedachten Künstlerausbildung verstanden werden?

Die allmähliche Etablierung dieses speziellen Bildsujets und der unterstellte Wandel in der Visualisierung des künstlerischen Studiums lassen immerhin auf eine veränderte Auffassung von Kunst und Kunstschaffen nicht nur auf der Seite der Produzenten, sondern auch auf jener der Rezipienten schließen. Es kann unterstellt werden, dass Letztere als potentielle Käufer und Sammler solcher Bildwerke ein besonderes Interesse an künstlerischen Schaffensprozessen und am kennerschaftlichen Kunstdiskurs hatten. Darüber hinaus kann davon ausgegangen werden, dass die vergleichsweise häufige Thematisierung von Ausbildung im Medium Bild auf zeitgenössische Bildungs- und Erziehungsideale verweist, denen es in der Analyse nachzuspüren gilt.

Magisterarbeit

"Die Wollust des Satyrs als Projektion unterdrückter Sexualität?
Eine Studie zur Darstellung von Lust und Leidenschaft in der Kunst des 16. und 17. Jahrhunderts"

(2011)

Die Magisterarbeit beschäftigt sich mit Formen der Verbildlichung von sexueller Lust und Leidenschaft in der europäischen Kunst der Frühen Neuzeit. In diesem kontextuellen Rahmen wird an ausgesuchtem Bildmaterial insbesondere der Frage nach Bedeutung und Funktion der Figur des Satyrs, eines halbanimalischen Wesens aus der antiken Mythologie, nachgegangen. Die Analyse der Bilder und die jeweils zu beobachtende Ikonographie werden dabei gedanklich mit den historischen Gegebenheiten, im Speziellen mit dem generell festzustellenden Umgang mit sexuell expliziten Darstellungen, verbunden.
Innerhalb des erotischen Bilderfundus des 16. und 17. Jahrhunderts soll der Satyr exemplarisch unter anderem darüber Auskunft geben, wie konkret das Sexuelle in der Kunst präsentiert werden konnte und welche Funktion(en) derartige Bildfindungen wohl übernahmen. Durch zahlreiche Vergleiche mit sexuell freizügigen Bildbeispielen aus anderen ikonographischen Zusammenhängen werden im Zuge der Arbeit sowohl Analogien als auch bezeichnende Unterschiede in der Präsentation von Geschlecht und Sexualität herausgearbeitet.
Besonders evident ist der Umstand, dass die utopische Vorstellung von sexueller Freiheit in Darstellungen Arkadiens und der dieses mythische Traumland bevölkernden Wesen, welche in der Frühen Neuzeit allgegenwärtig sind, in ausgeprägtem Gegensatz zu dem verbindlichen christlichen Weltbild stehen, in dem Keuschheit eine Tugend und Wollust ein Laster war. Satyr und Nymphe, die die Tage am liebsten mit der Suche nach Erfüllung ihrer unersättlichen (Schau-)Lust zubringen, können daher als phantastische Gegenbilder zur herrschenden Morallehre verstanden werden.
Ob seiner speziellen Doppelnatur – halb Mensch, halb Tier – scheint der Satyr für die sexuell-unmissverständliche Verbildlichung geheimer Wünsche besonders geeignet gewesen zu sein. Er kann in Darstellungen, in denen Lust und Leidenschaft thematisiert wurden, somit durchaus als Projektion einer als ‚animalisch‘ empfundenen und abgewehrten Sexualität verstanden werden und im Schauen solcher Bilder als eine Art ‚Ersatzhandelnder‘ gedient haben. In diesem Sinne bot er einen  besonderen Freiraum, in dem zumindest imaginativ, im Anblick und Genuss der Bilder, eine Befreiung und Befriedigung erfahrbar wurde, die jenseits des real Erlaubten und Möglichen lag.

Publikationen

  • Augenlust versus innere Schau. Verlockung und Verderbnis in lasziv-genrehaften Bildfindungen an der Schwelle zur Neuzeit, in: Jürgen Müller / Birgit Ulrike Münch (Hgg.): Peiraikos' Erbe. Die Genese der Genremalerei bis 1550 (Trierer Beiträge zu den historischen Kulturwissenschaften; 7), Wiesbaden 2014. (im Druck)
     
  • -/ Dietz, Eduard: Ausdruck in Schwarzweiß. Gestalterische Möglichkeiten der Graphik, in: Stephan Brakensiek / Michel Polfer (Hgg.): Graphik als Spiegel der Malerei. Meisterwerke der Reproduktionsgraphik 1500-1830, Ausstellungskatalog Musée National d’Histoire et d’Art Luxembourg, 12.06.-20.09.2009, Mailand 2009, S. 187-191.
     
  • [12 Katalognummern in:] Stephan Brakensiek / Michel Polfer (Hgg.): Graphik als Spiegel der Malerei. Meisterwerke der Reproduktionsgraphik 1500-1830, Ausstellungskatalog Musée National d’Histoire et d’Art Luxembourg, 12.06.-20.09.2009, Mailand 2009.
     
  • (Ab-)Bild, Meisterwerk, Ikone. Zur Kanonisierung und Popularisierung von Werken der bildenden Kunst, in: Dirk Blübaum / Stephan Brakensiek (Hgg.): Gestochen scharf! Die Kunst zu reproduzieren, Ausstellungskatalog Zeppelin Museum Friedrichshafen, 19.10.2007-20.01.2008, Heidelberg 2007, S. 10-49.