Sarah Wilhelm M.A.

Wiss. Mitarbeiterin im DFG-Projekt Glasmaler, unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke
 

Ehemalige Wiss. Mitarbeiterin im ERC-Projekt artifex
 

Doktorandin bei Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke

 

E-Mail:

sarahm.wilhelm@gmail.com

Biographisches

Fachoberschule Design, Ausbildung zur Bauzeichnerin, Vordiplom Architektur, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und klassischen Archäologie. Mitarbeit im Teilprojekt C2 des SFB 600 „Fremdheit und Armut“, in der Mediathek der Kunstgeschichte der Universität Trier, Lineamenta (Kooperation mit der Biblioteca Hertziana, Rom) und am Kunsthistorischen Institut in Florenz, Direktion Wolf, danach Mitarbeit in der Tamm Media Group (Hamburg), Bildredaktion. Seit Ende 2013 Recherchen für ein Dissertationsprojekt im Bereich „Osmanische Eliten in der visuellen Kultur der Frühen Neuzeit“ bei Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke. 

Forschungsinteressen

  • Wahrnehmung des Fremden in der Frühen Neuzeit
  • Kulturelle Umbrüche
  • Kulturtransfer

 

Dissertationsprojekt (betreut durch Prof. Dr. Dr. Tacke)

Visualisierung und Rezeption der osmanischen Palastelite in europäischen Bildmedien

des 15. und 16. Jahrhunderts

(Arbeitstitel)

„Through processes of translation, that often involved multiple stages, the figure of the Turk (and by extension that of the Muslim) underwent a multiplicity of interpretations that reflect and reveal Western needs, anxieties and agendas. The resultant interpretations, created by artists with varying access to or interest in documentary facts, vary widely.” (Harper 2011, S. 1)


Das Aufspüren unterschiedlicher europäischer Wahrnehmungsmuster ist die Intention der Untersuchung. Auf der Grundlage des Forschungsansatzes der Magisterarbeit steht die Palastelite des Osmanischen Reiches von der Eroberung Konstantinopels 1453 bis zur Schlacht von Lepanto im Jahre 1571 im Fokus. Damit sind in diesem Zeitraum drei historische Großereignisse als Kulminationspunkte des Kulturkontaktes angesiedelt.

Grundlegend ist eine vergleichende Betrachtung der Imperien. Charakteristisch für das Verhältnis des Osmanischen Reiches zu den europäischen Mächten ist die Gleichzeitigkeit von Ähnlichkeit und Fremdheit. Vor allem im Bereich des Mittelmeerraums steht eine religiös-ideologische Konfrontation im Vordergrund. Die grundsätzliche Verschiedenheit der christlich geprägten europäischen Staaten und dem von einer muslimischen Dynastie und Oberschicht regierten Osmanischen Reich war prägend für das Selbstverständnis beider Seiten. 

Diese divergierende Rolle ist in der Forschung bisher kaum thematisiert. Dabei war das Osmanische Reich gleichzeitig als grundsätzlicher Gegner definiert - und agierte als politischer Akteur gleichwertig und selbstverständlich. Die Gegensätze zwischen den Polen als fremde, gegnerische Macht und gleichrangige politische Handlungsmacht sind aufzuspüren. Als Beispiel sei auf die Figur des Sultans und dessen Interpretation als vorbildlicher Herrscher und gleichzeitig als grausamer Tyrann hingewiesen. Findet sich diese Oszillation auch in den Bildmedien wieder - und vor allem bei weiteren elitären Rängen des Großreiches? Darstellungen der Herrscher- und Militärelite bilden die Grundlage der Betrachtung. Von den späten Einflüssen des byzantinischen Großreiches bis zum Sieg der Heiligen Liga in Lepanto sind verschiedene Perspektiven zwischen Fremdheit, Exotismus und Militärmacht zu erwarten.

Die Offenbarung der Konstruktion eines europäischen Spiegelbildes auf der Folie des Osmanen stellt eine Herangehensweise dar, weil die eigene Identität sich durch Abgrenzung vom Fremden konstituiert. Der Aspekt der sogenannten „Türkenfurcht“ wird eingehender betrachtet, weiterhin werden die Kunstwerke auf eventuelle religiöse Einflüsse untersucht. Um eine weitreichendere Konstruktion der Osmanischen Eliten aufzuspüren, sind ein Vergleich mit historischen Quellen und eine Zusammenschau mit der osmanischen und europäischen Kunst sinnvoll und bisher nur exemplarisch für das Gebiet der Sultansportraits vorhanden:

 

„This exemplifies the inevitable circularity in visual sources for Ottoman and European sultanic portraits which interacted in complex ways“. (Necipoglu 2000, S. 41)

Magisterarbeit

Die „unsichtbare“ Herrscherin.

Die Konstruktion der Sultanin in europäischen Bildmedien des 16. Jhs. 

 

Images of Ottoman Turks in the Art of Renaissance and Baroque Europe tell often more about the cultures that produced and consumed them than they do about the cultures they purport to depict.“(Harper 2011, S. 1)

 

Die Konstruktion der Sultanin Roxelane ist ein herausragendes Beispiel für eine Fremdwahrnehmung mit Rückschlüssen auf die europäische Kultur. Sie war eine unsichtbare Herrscherin, weder Diplomaten noch Künstler in Konstantinopel konnten sie sehen, ihr historisches Bild und ihre Rolle am osmanischen Hof sind nicht sicher nachweisbar. Auch ihr Portrait speist sich aus den Vorstellungen der Historiker und Künstler und spiegelt die Projektionen des Eigenen auf das Fremde wider. Die Verwendung von Versatzstücken aus bekannten Repräsentationen des Fremden, um glaubhafte Repräsentanten einer Kultur zu schaffen, steht in den untersuchten Portraits im Vordergrund. Neben Gemälden wurden verstärkt Druckgraphiken betrachtet, auch im Zusammenhang mit Reiseberichten und Kostümbüchern. Vor allem die Kleidung kreierte die Person, physiognomische Elemente waren zweitrangig, vergleichbar mit den idealisierten Gesichtszügen von Allegorien.

Das Heranziehen diverser Quellen über das Osmanische Reich im Abgleich mit historischen Untersuchungen über den Harem offenbarte erst die Ausmaße der Konstruktion. In der Forschung ist der Harem meist als Sehnsuchtsort beschrieben - und meist erfolgt eine ahistorische Interpretation - basierend auf Edward Saids „Orientalism“ (1978). Diese theoretische Grundlage wurde für die vorliegende Untersuchung ausgeschlossen, da ein kolonialpolitischer Ansatz für die konkurrierenden Weltreiche (HRR und Osmanisches Reich) nicht übertragbar ist. Die Perspektive des Kulturtransfers mit Einbeziehung des Eurozentrismus boten einen besseren Nährboden für die Interpretation der Bildnisse.

Als eine Frau europäischer Abstammung, ehemalige Sklavin, konvertierte Muslima und mächtige „Herrscherin“ im Osmanischen Reich repräsentiert Roxelane in der gegenwärtigen Lesart eine transnationale und transkulturelle Erscheinung. Sie ist weniger eine historische Figur, sondern vielmehr ein Amalgam aus Fantasien und Konstruktionen des Anderen, wie ihre Konstruktion in Geschichte und Kunst aufzeigt. Die Überlieferungen bilden dabei ein Geflecht aus Fakten, Fiktion, Erzählung und Geschichte. Ihre politische Rolle und Rezeption als Ehefrau machen ihre Bekanntheit und ihr Auftauchen als weibliche Identifikationsfigur des Osmanischen Reiches sehr deutlich. Wie weitreichend sie das durchaus stereotype „Abbild“ der „orientalischen“ Herrscher- und Haremsfrau in der Kunst prägte, bedarf weiterer Nachforschungen. 

Publikationen

 

Rezensionen

  • Charlotte Colding Smith; Images of Islam, 1453–1600. Turks in Germany and Central Europe, in: Journal für Kunstgeschichte, hg. von Nils Büttner und Christoph Wagner, Volume 20, 2/2016, S. 123–125.
     

Populärwissenschaftliches

  • Zus. mit Anja Ottile Ilg: Palmsonntag in Trier, in: Heinz, Stefan/ Tacke, Andreas/ Weiner, Andreas (Hrsg.): Trier 1512 – Heiliger Rock 2012. Reisewege durch das historische Trier. Petersberg: Imhof, 2011, S. 54–55.

Vorträge

  • 30. September 2016: Der Erzfeind als europäischer Herrscher? Suleiman der Prächtige und „seine Sultanin“ in der Portraitkunst der habsburgischen Gebiete unter ikonologischen Aspekten, Workshop "Wissensordnungen und Argumentationsmuster des Politischen im späten Mittelalter und in der Frühen Neuzeit", Trierer Zentrum für Mediävistik, Trier, 28.–30.09.2016