Hannah Völker M A

Wiss. Mitarbeiterin im DFG-Projekt Glasmaler unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke
 

Ehem. Wiss. Hilfskraft im DFG-Projekt Glasmaler unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke

 

Ehem. Wiss. Hilfskraft im ERC-Projekt artifex unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke
 

Doktorandin bei Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke

 

E-Mail: voelkerh@uni-trier.de

Biographisches

Studium der Fächer Kunstgeschichte und English Language and Literature an der Universität Trier 2009–2016 zunächst mit dem Bachelor of Arts, dann mit dem Master of Arts im Kernfach Kunstgeschichte abgeschlossen. Zwischenzeitig absolvierte Praktika im In- und Ausland (u.a. am Kunsthistorischen Institut/ Max-Planck-Gesellschaft in Florenz, im Amt für Kirchliche Denkmalpflege/ Bistum Trier und im Landesdenkmalamt des Saarlandes) sowie Teilnahme an Studienkursen (›Bauen in Venedig 1400–1600‹, Deutsches Studienzentrum in Venedig, 2015; ›Gestern Industrie, heute Denkmal – Was nun?‹, Deutsches Nationalkomitee für Denkmalschutz, 2015). Deutschlandstipendiatin 2014/15 und 2015/16. Mehrjährige Mitarbeit als wissenschaftliche Hilfskraft im Medienzentrum des Faches Kunstgeschichte der Universität Trier und anschließend in den Drittmittel-Forschungsprojekten artifex (ERC) und Glasmaler (DFG) unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke. Parallel dazu hochschulpolitisches Engagement sowie u.a. Konzeption und Realisation des 88. Kunsthistorischen Studierendenkongress in Trier. Kurzfristige Anstellung als wissenschaftliche Assistentin im Amt für Kirchliche Denkmalpflege/ Bistum Trier im Sommer 2016.

Seit Ende 2016 Recherchen für ein Dissertationsprojekt im Bereich moderner Architektur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Deutschland bzw. im Bistum Trier und den Grenzregionen zu Frankreich und Luxemburg, betreut durch Prof. Dr. Dr. Andreas Tacke.

Forschungsschwerpunkte

 

  • Kunst und Architektur der Moderne
  • Architekturtheorie und -geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts
  • Sakralarchitektur im Wandel der Zeit und am Wendepunkt zur Moderne
  • Bruno Taut und die Siedlungsarchitektur der zwanziger Jahre im Spiegel der Gläsernen Kette
  • Kunstgewerbebewegung seit 1851
  • Kunst und Architektur der italienischen Renaissance

 

Promotionsvorhaben (betreut durch Prof. Dr. Dr. Tacke)

 

„Wir steigen auf aus aufgerissnen Städten/ Brüderliche Welten zu erneuern“

Die Moderne hält Einzug – Sakralarchitektur des frühen 20. Jahrhunderts im Bistum Trier

(Arbeitstitel)

 

Mit dem Anbruch der Moderne in Deutschland geht zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein allgemeines Erneuerungsbestreben einher, das sowohl die letzten Jahre des wilhelminischen Kaiserreichs als auch die Aufbruchszeit nach dem Ersten Weltkrieg prägt. Das Aufbegehren der jungen Generation mit dem glühenden Verlangen nach dem Neuen, einer neuen Gemeinschaft mit neuen Ausdrucksmöglichkeiten und -formen, bringt auch seitens der Kirche tiefgreifende Veränderungen mit sich, die sich alsbald in Kunst und Architektur widerspiegeln. Angetrieben von der Kirchlichen Kunstbewegung (siehe etwa das Kölner Institut für religiöse Kunst, 1919–1933) sowie der zeitgleich voranschreitenden Liturgischen Bewegung, entfaltet sich ein erneuertes kirchliches Selbstverständnis, wie es etwa – ganz und gar dem Zeitgeist verschrieben – in der von Karl Gabriel Pfeill 1920 herausgegebenen Aufsatzsammlung mit dem Titel Der Weiße Reiter propagiert wird. Diese Programmschrift des Jungrheinischen Bundes für kulturelle Erneuerung, bewusst angelehnt an den Almanach Der Blaue Reiter (1912), fordert einen kirchlichen Sozialismus, einen „Kommunismus der heiligen Armut und christlichen Liebesgesinnung“. Während der Kölner Kardinal Antonius Fischer 1912 noch verfügte, dass Kirchenneubauten lediglich in romanischen oder gotischen Architekturformen zu errichten seien, versuchten Architekten wie Otto Bartning (1883–1959), Dominikus Böhm (1880–1955) und später Rudolf Schwarz (1897–1961) eben diesem neuen Selbstverständnis der Kirche als Ort der Zusammenkunft und Gemeinschaft, der communio, mittels neuer architektonischer Lösungen Rechnung zu tragen. Der neue Kirchenbau sollte als gebaute Liturgie verstanden werden, die jeden Einzelnen umfängt und zum Teil eines Ganzen macht. Was im Bemühen um einen modernen kirchlichen Stil noch vor dem Ersten Weltkrieg mit ersten Bauten expressionistischer Formensprache beginnt, gipfelt sodann in der Überwindung des Historismus durch den Funktionalismus der zwanziger Jahre. Neue Grundrisslösungen werden erprobt und sakralarchitektonische Grundstrukturen in abstrahierender Weise – entsprechend der Schlagworte Einfachheit, Klarheit, Strenge – umfassend erneuert.

Ihren Ausgangspunkt findet die Arbeit im Bistum Trier, wo zahlreiche Sakralräume der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von den Entwicklungen der Moderne, ihrem universalen Erneuerungswunsch und der Suche nach einer neuen Baugestalt für die katholische Kirche zeugen. Von den Anfängen des architektonischen Expressionismus bei Hans Herkommer (1887–1956), der mit St. Michael in Saarbrücken bereits 1914 das erste moderne Gesamtkunstwerk im Bistum umzusetzen versuchte, bis hin zu den Bauwerken St. Wendalinus in Eppelborn-Dirmingen oder St. Elisabeth in Koblenz-Rauental von Dominikus und Gottfried Böhm (*1920), können die stilistischen und ideellen Entwicklungen hin zum modernen Sakralraum nachvollzogen werden. Hierbei bildet der oben skizzierte, durch den sozialgeschichtlichen Kontext begründete Versuch, das wachsende Gemeinde- und Gemeinschaftsbewusstsein mithilfe eines neuen architektonischen Ausdrucks ins Zentrum christlichen Glaubens und Handelns zu rücken, die Grundlage der Betrachtungen.

In einem ersten Schritt wird das umfangreiche Material nun zunächst gesichtet, um eine Auswahl zum Aufbau der Argumentation treffen zu können.

(Pfeill, Karl Gabriel [Hg.]: Der Weiße Reiter. Düsseldorf, 1920. Hier: Franz Johannes Weinrich, 103 und Vorwort, 7.)

Masterarbeit

 

„Weltglanzgrüsse“: Die Künstler- und Architektenvereinigung ‚Die Gläserne Kette‘ und ihr Initiator Bruno Taut

(Mai 2016)

 

Die Gläserne Kette, ein brieflicher Austausch ‚imaginärer Architekten’ im Zeichen eines phantastischen architektonischen Expressionismus, bildete 1919/20 eine kurze, aber radikal vom traditionellen Architekturkanon abweichende Zwischenepisode der modernen Architekturgeschichte. Die nichtrealisierte Architektur der Gruppe gilt als Phänomen, das mit seiner Formensprache und der überhöhten sozialutopischen Ideologie die künstlerische Freiheit, die 1918 auf den Niedergang des Deutschen Kaiserreichs gefolgt war, vollends auskostete und damit der grundlegenden Neuorientierung diente. In Bild und Schrift gaben sich die Mitglieder der Gruppierung bewusst der Unmöglichkeit einer unrealisierbaren Architektur hin. Mit dem Fokus auf Bruno Taut (1880–1938) als Initiator und Protagonist der Gläsernen Kette, setzt sich die Arbeit unter Berücksichtigung sozialgeschichtlicher und architekturtheoretischer Aspekte mit der – bislang oft verkannten – architekturgeschichtlichen Bedeutung dieser Architekturepisode des phantastischen Expressionismus auseinander.

Dabei wird aufgezeigt, dass Tauts Schaffen als imaginärer Architekt auf das Ideal einer universalen kristallinen Glasarchitektur abzielte, das eng mit den sozialutopischen Hoffnungen der politischen Revolution 1918, sowie der daran anknüpfenden Idee einer Revolution im Geiste, verknüpft war. Sein Ziel war es, durch losgelöste Gedankenexperimente zu einer Ursprünglichkeit zurückzukehren, einer Tabula rasa, die zu neuer Klarheit führen sollte. Entsprechend war die Triebkraft der Phantasie auf die weiteste Dehnbarkeit des Architekturbegriffs gerichtet: „– ihr seht es: das Wunderreich der Phantasie. Ja --- seht ihr? Das könnten Menschen alles bauen, wenn sie nur wollten. Aber zuerst müßt ihr doch wollen, ihr, die Erbauer!“ Es wird herausgestellt, dass Taut sowohl alleine als auch innerhalb der Gläsernen Kette in mannigfaltigen Schriften grundlegende Überlegungen gemeinschaftlichen Zusammenlebens anstellte, die nicht nur das Selbstverständnis der Avantgarde-Architekten, sondern auch das allgemeine Verständnis des gesellschaftlichen Potentials von Architektur prägten. Was sich zunächst in der Feindschaft gegenüber allem Dagewesenen, in Nihilismus, primitivistischer Ursprungsbesinnung und Utopie als Experimentierfeld manifestierte, diente ihm eigentlich dazu, den Horizont zu weiten und damit die Aufnahmebereitschaft für eine neue Baukunst zu schaffen. Vor diesem Hintergrund, so das Resümee der Arbeit, kann die formale Reduktion des funktionalistischen Neuen Bauens der zwanziger Jahre als logische Konsequenz des Nihilismus der ‚imaginären Architektur‘ gelten; die ungezügelte Experimentierfreudigkeit der Nachkriegszeit wurde zur Weichenstellung für das Kommende und nicht zuletzt auch zur Grundlage zeitgenössischer Architektur.

(Taut, Bruno: Ex Oriente Lux. Ein Aufruf an die Architekten. In: Kaiser, Hans [Hg.]: Das Hohe Ufer, 1 (Januar 1919), 15–18, hier: 16.)

Bachelorarbeit

 

Ernst Ludwig Kirchner in Darstellungen – Selbstbildnisse des Künstlers zwischen Inszenierung und Reflexion

(März 2013)

 

Die enorme Anstrengung, mit welcher Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) zeitlebens versuchte sein Leben und Œuvre zu inszenieren und zu mystifizieren, ist u.a. aus erhaltenen Schriftquellen des Malers, Graphikers und Bildhauers ersichtlich. Diese Selbstzeugnisse, aufs engste verflochten mit avantgardistischen Geistesströmungen des frühen 20. Jahrhunderts, geben Einblick in das vielschichtige und komplexe Selbstverständnis des Künstlers, das in seinen Selbstbildnissen kulminiert. Sowohl innerhalb seiner Bildwerke als auch in seinen Texten tritt Kirchner in verschiedensten Rollen und Kontexten auf und evoziert bewusst ein spezifisches Bild seiner betont unkonventionellen Künstleridentität. Dem Moment der individuellen Selbstreflexion durch künstlerischen Ausdruck, steht bei ihm ein auf die zeitgenössische Kunstöffentlichkeit gerichtetes Inszenierungsgeschick gegenüber.

Im Zentrum der Arbeit stehen die Strategien der Selbstvermarktung, die sich Kirchner zu eigen machte, um sich einerseits zum genialischen Schöpfer – einem Creator mundi und Innovator der Moderne – zu stilisieren, während er andererseits fast gönnerhaft konstatierte: „Ich finde ja im allgemeinen die Welt interessanter als gerade meinen eigenen Kopf“. Das ungebrochene wissenschaftliche und öffentliche Interesse an seiner Kunst, gerade aber auch an seiner Person, bestätigt – trotz Widersprüchlichkeiten und Inkonsistenz, vielleicht aber auch gerade deswegen – das Gelingen dieses gewagten Inszenierungsversuches.

(Zit. n.: Scotti, Roland: Ernst Ludwig Kirchner, Inszeniertes Selbst. In: Ausst.Kat. Ernst Ludwig Kirchner und die „Brücke“, Selbstbildnisse – Künstlerbildnisse, hg. von Jutta Hülsewig-Johnen. Bielefeld/ Leipzig 2005, 66–75, hier: 66.)

 

Publikationen

Aufsätze

 

2017:

Alfred Gottwald und sein Waderner Kreuzweg: Exkurs in die Kirchenkunst der Moderne. In: Pfarrei Allerheiligen Wadern [Hg.]: 200 Jahre Pfarrkirche Allerheiligen Wadern. Wadern 2017, 83–97.

 

2015:

Neues Bauen am Plateau Kirchberg. Die KPMG Hauptverwaltung von François J. V. Valentiny zwischen Innovation und Tradition. In: Stadtbibliothek Trier und Verein Kurtrierisches Jahrbuch e.V. [Hg.]: Kurtrierisches Jahrbuch, 55 (2015), 333–352.

 

2014:

Unsichtbar hinter dem Vorhang des Welttheaters – Das Heer hinter dem Heer: Frauen in der Kriegszeit. In: Brakensiek, Stephan [Hg.]: Kriegszeit. Kunst im Dienst von Krieg und Propaganda. Ausst. Kat. Trier 2014,181–203.

[Mitarbeit im dazugehörigen Ausstellungsprojekt: ›Kriegszeit – Künstlerflugblätter: Kunst im Dienst von Krieg und Propaganda 1914–1916‹, 19. Oktober–04. Januar 2015, Trier, Thermen am Viehmarkt]